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Die vielen unterschiedlichen Dimensionen, in denen sexueller Missbrauch, Vergewaltigung und Inzest stattfindet

Posted in unangemessenes Verhalten with tags , , , , on 26. Juni 2012 by serialmel

OriginalArtikel von ‚The Clitoris‘
Dieser Artikel wurde nicht in der Absicht geschrieben, sexuellen Missbrauch oder unangemessenen Sex zu unterstützen oder zu dulden. Diese Handlungen sind aus gerechten und berechtigten Gründen illegal.

Auch Kinder sind sexuelle Wesen

Es ist sicherlich nicht das erste Mal, dass ich gehört habe, dass ein Mädchen bei einer Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch, Inzest oder einer unangemessenen sexuellen Aktivität sexuell erregt war oder in einigen Fällen sogar einen Orgasmus hatte. Es entspricht sicher nicht dem, was uns eingeredet wird, aber die Erfahrungen und Reaktionen dieser Mädchen und jungen Frauen sind „normal“.

Wie schon anderweitig auf dieser Website beschrieben, sind die Geschlechtsorgane vorpubertärer Mädchen, einschließlich ihres Gehirns, von Geburt an voll funktionsfähig – ja sogar schon vor der Geburt. Gewöhnlich versucht die Gesellschaft uns glauben zu machen, dass die Sexualität eines Mädchens vor der Pubertät nicht zum Vorschein kommt, das heißt, falls es ihr erlaubt ist, ein sexuelles und nicht nur ein mütterliches Wesen zu sein. Tatsächlich geht es bei der Pubertät eher um Geschlechtsreife als um sexuelle Reife. Viele Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, dass Psyche und körperliche Reaktionen vorpubertärer Mädchen eine sexuelle Komponente haben. Genau genommen sind vorpubertäre Mädchen sogar „sexueller“ als erwachsene Frauen, da die Gesellschaft sie noch nicht konditioniert hat oder sie die „angemessenen“ sexuellen Reaktionen noch nicht gelernt haben. Leider werden sie deswegen leicht Ziel und Opfer von Sexualtätern. Das soll nicht heißen, dass es jedesmal, wenn vorpubertärer oder pubertärer Sex stattfindet, ein Opfer gibt. Es gibt vorpubertäre und pubertäre Mädchen, die mit Gleichaltrigen auf angemessene und positive Weise sexuell aktiv sind.

Gesellschaft gegen Natur

Unsere Gesellschaft sagt, dass vorpubertäre Mädchen nicht im geringsten sexuell sind; sie sind ausschließlich ein Produkt ihrer Umwelt. Sie werden in der extremen Bedeutung des Wortes „jungfräulich“ geboren. Von einem normalen und unschuldigen Mädchen wird gesagt, dass es gegenüber sexuellen Dingen jeglicher Art immun ist. Die Gesellschaft sagt, dass die Sexualität eines Mädchens nicht von innen kommen kann, dass sie kein angeborener Teil ihrer Identität sein kann. Sexualität muss ihr aufgezwungen werden, da sie sie freiwillig nicht akzeptieren würde. Wenn ein Mädchen in irgendeiner Hinsicht sexuell ist, muss jemand oder etwas sie sexualisiert haben, ihre „Unschuld“ gestohlen haben. Wenn ein Mädchen sich ihrer Klitoris oder anderer sexuellen Dinge bewusst ist, muss sie sexuell missbraucht worden sein, enge Kleidung getragen haben oder übermäßig stimulierende Nahrungsmittel zu sich genommen haben. Es muss etwas körperlich auf sie eingewirkt haben. Was heißt, dass jemand ihr ein Leid angetan haben muss, indem er sie diesen Dingen ausgesetzt oder sie nicht vor ihnen beschützt hat. Wie jede Frau weiß, die Masturbation entdeckt hat, Sexuelles mit Gleichaltrigen erkundet hat oder ihre Eltern heimlich beim Geschlechtsverkehr beobachtet hat, als sie noch sehr klein war, stimmt dies überhaupt nicht. Unsere Kinder sind sehr sexuelle Wesen.

Körperliche sexuelle Freuden

Wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass eine erwachsene Frau eine bestimmte Art der körperlichen Stimulierung sexuell genießt, würde ein vorpubertäres oder pubertäres Mädchen dies wahrscheinlich auch tun, wenn die Stimulierung ihrer sexuellen und körperlichen Entwicklung angemessen ist. Das jeweilige Alter hat hierauf keinen Einfluss. Wir akzeptieren, dass erwachsene Frauen die sanfte Stimulierung ihrer Genitalien mit Händen oder Mund genießen. Die Gesellschaft gibt nicht zu, dass vorpubertäre Mädchen durchaus dazu fähig sind, dieselben Arten der Stimulierung zu genießen. Die Nerven, die sexuelle Erregung wahrnehmen, und ihre Transportwege zum Gehirn existieren von Geburt an und sie sind voll funktionsfähig. Daher kann ein junges Mädchen sexuelle Erregung spüren und einen Orgasmus haben. Dies kann geschehen, ohne dass sie weiß, dass es zu sexueller Erregung kommen wird, oder dass sie es sich wünscht. Es kann einfach geschehen, weil es natürlich ist, dass es – automatisch – geschieht. Sie hat genau so viel Kontrolle über ihre sexuellen Reaktionen, wie sie über ihre Fähigkeit hat, zu lachen und zu weinen.

Es ist zu beachten, dass vorpubertäre Mädchen keine inneren Geschlechtsorgane haben, jedenfalls nicht in der fertig ausgebildeten Gestalt, wie wir sie uns vorstellen. Vor der Pubertät sind Gebärmutter, Gebärmutterhals und Scheide im Grunde genommen ein einziges Organ, das überhaupt nicht für Penetration jeglicher Art vorgesehen oder geeignet ist. Aus diesem Grunde ist Penetration oft sehr schmerzhaft und ist für den Körper eines Mädchens schädigend. Der Schaden kann bleibend sein und später zu Unfruchtbarkeit führen. Da die Gesellschaft zu stark auf Penetration fixiert ist und so viele junge als auch erwachsene Männer nicht wissen, wie eine erwachsene Frau sexuell richtig stimuliert wird, ist das Risiko sehr hoch, dass Mädchen und Teenager sexuellen Missbrauch erfahren, der schmerzhaft ist und ihrem Körper schadet. Dass wir unzutreffenderweise sagen, dass vorpubertäre Mädchen eine Scheide haben, wenn sie tatsächlich nur eine Vulva haben, kann dazu beitragen, dass die Wahrscheinlichkeit des Missbrauchs erhöht wird. Trotzdem sollte man eigentlich instinktiv wissen, dass ein Objekt, das größer als der Unterarm eines Mädchens ist, nicht in ihren Mund, ihre Scheide oder ihren After eingeführt werden sollte; es gibt allerdings Leute, die das nicht verstehen!

Instinktive Reaktion

Um unser Überleben sicherzustellen, unterliegen die Reaktionen unseres Körpers oft eher dem Einfluss der Physiologie als dem der Psychologie. Daher haben wir oft nur begrenzt Kontrolle, oder wenigstens weniger Kontrolle, als wir gerne hätten, darüber, wie wir auf eine gegebene Situation ansprechen oder reagieren. Wenn wir Stress ausgesetzt sind, können wir auf eine instinktive oder eine konditionierte Reaktion zurückfallen. Die Hormone, die unser Körper freisetzt, beeinflussen unsere Gedanken und körperlichen Reaktionen in diesen Situationen sehr. Es ist daher möglich, dass wir uns intensiver bewusst sind, was unser Körper fühlt, da unsere Sinne unter diesen Umständen aufnahmefähiger sind. Das bedeutet, dass nicht nur der Körper eines Mädchens auf eine Weise reagiert, die sie nicht erwartet oder versteht, sondern auch ihr Gehirn, was dazu führen kann, dass sie Dinge tut oder unterlässt, die uns später, wenn wir auf das Ereignis zurückblicken, unangebracht erscheinen. Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen, unter welchen Bedingungen solche Ereignisse stattfanden.

Unser Instinkt zu überleben kann uns dazu zwingen, uns anzupassen und auf eine Weise zu reagieren, die beim ersten Hinsehen irrational und unangebracht erscheint. Dies trifft wahrscheinlich eher auf ein junges Mädchen als auf eine erwachsene Frau zu, da das Kind weniger „weiß“ und eher instinktiv reagiert. Da ein junges Mädchen sich darauf verlassen muss, dass andere ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse erfüllen, können ihre Grundbedürfnisse dazu führen, dass sie freiwillig wiederholt sexuelle Aktivität duldet. Diese sexuellen Handlungen brauchen nicht unbedingt körperlich angenehm zu sein, sie können trotzdem indirekt ein emotionales Bedürfnis erfüllen. Ein Mädchen ist durch ihr grundsätzliches Bedürfnis, geliebt und akzeptiert zu werden, extrem verletzlich. Die Frage, ob ein Mädchen „angemessen“ reagiert hat, kann am besten durch die Tatsache beantwortet werden, dass sie die Frage stellen kann. Wenn sie die Frage stellen kann, hat sie angemessen gehandelt: Sie hat überlebt.

Körperliche Freuden und emotionale Schmerzen

Ich habe den Bericht einer Frau gelesen, in dem sie erzählt, wie sie sich als junges Mädchen darauf freute, von ihrem Vater gebadet zu werden, da er nach dem Bad immer ihre Vulva oral stimulierte, was sie schön fand. Sie konnte damals nicht verstehen, warum er sie nachher so schlecht behandelte; vielleicht schob er ihr unterbewusst die Schuld für seine Taten zu. Also dachte sie die ganze Zeit darüber nach, was sie falsch machte, und suchte die Schuld bei sich. Das führte dazu, dass sie sich noch mehr anstrengte, es ihrem Vater recht zu machen. Eine andere Frau berichtete, wie ihr Bruder sie als Teenager emotional, körperlich und sexuell missbrauchte – sie war überrascht, dass sie sich trotzdem darauf freute, mit ihrem Bruder Sex zu haben, weil er nur dann nett zu ihr war. Sie genoss die sexuelle Aktivität mit ihm. Ich bin mir sicher, dass ihre Aktionen und Reaktionen sie sehr verwirrten; was sie tat, war aber nicht unangemessen. Bei beiden Mädchen wurde emotionaler und/oder körperlicher Missbrauch von sexueller Erregung begleitet. Der Missbrauch fand in vielen Dimensionen statt.

Auch wenn andere Frauen, die sich in dieser Art Situation befanden, sie nicht gelegentlich als sexuell angenehm erregend empfanden, haben diese beiden Frauen und andere wie sie nicht unangemessen gehandelt oder reagiert. Ein Mädchen, ein Teenager oder eine Frau reagiert auf eine ihr eigene Art während solcher Vorfälle und darnach; sie erlebt sie anders und schützt sich auf individuelle Weise gegen sie. Es ist nicht unbedingt von größerem Vorteil, sich zu wehren, als sein Einverständnis zu geben. Es gibt keine richtige oder angemessenere Reaktion. Daher ist es nicht möglich, zu sagen, dass du weißt, wie sie sich gefühlt haben oder wie sie sich fühlen, auch wenn du die gleiche Art Situation erlebt hast. Du kannst auf keinen Fall über sie urteilen. Frauen, die sexuell erregt waren oder die ohne zu überlegen zugestimmt haben, reden oft, aus Angst für schuldig gehalten zu werden, nicht über ihre Erfahrungen. Das ist bedauerlich und Ausdruck der Tatsache, dass nicht nur dem eigentlichen Täter, sondern auch ihr von der Gesellschaft Schuld zugeschrieben wird.

Nicht nur sexuell

Es ist wahrscheinlich, dass sexueller Missbrauch fast immer von irgendeiner Art körperlichen und/oder emotionalen Missbrauchs begleitet wird. Das ist so, weil sexueller Kontakt zwischen Erwachsenen und Kindern von der Gesellschaft als höchst unangemessen angesehen wird und daher als höchst illegal, zumindest im Westen. Außerdem weigern wir uns, das Kind als sexuelles Wesen zu betrachten. Kinder lernen schon sehr früh, dass Sex und ihre Genitalien etwas ist, das versteckt werden muss und nicht etwas ist, das sie erkundigen sollten oder das sie anderen erlauben sollten zu erkundigen. Das Schamgefühl wird erlernt, es ist uns nicht angeboren. Das bedeutet, dass ein Erwachsener oder ein älteres Kind, der/das mit einem Kind Sex haben will oder es sexuell erkunden will, oft auf die Anwendung körperlicher oder emotionaler Gewalt zurückgreift, um die Kooperation des Kindes zu sichern oder zu erhalten. Wenn das Kind ohne Zwang kooperiert, was manchmal geschieht, ist es oft nötig, Drohungen oder tatsächliche körperliche Gewalt zu benutzen, um das Kind auf Dauer davon abzuhalten, über das Geschehen zu sprechen. Manchmal gibt ein Erwachsener dem Kind die Schuld und bestraft es für seine eigenen Taten; das nennt man Projektion. Daher ist es sehr selten, dass „nur Sex“ oder sexueller Missbrauch stattfindet. Selbst wenn der Sex an sich nicht als negativ empfunden wird, sondern Freude bereitet – letztendlich ist er wahrscheinlich missbräuchlich und komplex.

Einverständnis

Weiter oben habe ich das Wort „Einverständnis“ gebraucht. „Sein Einverständnis geben“ wird oft verstanden als: „freiwillig“ seine Zustimmung erteilen, etwas bereitwillig tun. Ein vorpubertäres oder pubertäres Mädchen kann ihr „Einverständnis“ zu unangemessener sexueller Aktivität und sexuellem Missbrauch geben. Es ist möglich, dass sie bereitwillig an sexuellen Handlungen teilnimmt, auch wenn sie weiß, dass das nicht angemessen ist. Dazu brauchen sie nicht angenehm oder lustvoll zu sein, sie können Angst einflößend und schmerzhaft sein. Es geschieht daher manchmal, dass eine Frau sich später selbst die Schuld für das, was geschehen ist, teilweise oder ganz zuschreibt. Die Antwort der Gesellschaft auf dieses Dilemma ist, einfach zu sagen, dass sie nicht fähig war, ihr Einverständnis zu geben, weil sie ein Kind war: minderjährig, unerwachsen. Ich glaube, dass einige Frauen mit dieser Definition Probleme haben, da die Gedankengänge eines Kindes nicht anders verlaufen als die eines Erwachsenen. Es weiß, was richtig und was falsch ist. Außerdem zeigt sich darin eine herablassende Einstellung unseren Kindern gegenüber.

Das bedeutet, dass die obige Definition von „sein Einverständnis geben“ nicht in allen Fällen zutrifft oder immer akkurat ist. Ich halte es für angemessener zu sagen, dass: „Sein Einverständnis geben bedeutet, eine Entscheidung zu treffen, was im eigenen besten Interesse ist“. Wenn du dein Einverständnis gibst, entscheidest du, was für dich, oder jemand der dir wichtig ist, am besten ist, je nach den Umständen. Wenn du von jemandem bedroht wurdest, dass dir etwas passiert oder wenn du vor jemand große Angst hast, kann es passieren, dass du dich freiwillig bereit erklärst, an sexuellen Handlungen mit ihnen teilzunehmen. Du musstest es nicht tun, du hättest Widerstand leisten können, und manche tun das auch, aber nicht alle. Du hast eine Entscheidung getroffen, das ist nicht dasselbe, wie es wirklich freiwillig zu tun. Du hast die Wahl getroffen, an sexuellen Handlungen teilzunehmen, um körperliche oder emotionale Gewalt zu vermeiden. Ein Mädchen oder Teenager wird unter Umständen Sex gegen Geld oder Geschenke eintauschen oder die Vorstellung, dass jemand sie ihr geben würde oder ihr erlauben würde, sie zu haben. Diese Definition trifft besonders auf nicht greifbare Gefühle zu. Es ist möglich, dass ein Mädchen ihren Körper im Austausch für das Gefühl, geliebt zu werden, zur Verfügung stellt, weil sie einen Vorteil darin sieht, geliebt und akzeptiert zu werden. Sie kann bewusst oder unbewusst entscheiden, dass sie, solange der Täter sie liebt, alles tun wird, was nötig ist, um die Liebe des Täters nicht zu verlieren. Ich weiß nicht, ob ich meine These überzeugend dargestellt habe, aber ich habe versucht zu zeigen, dass auch wenn ein Mädchen freiwillig an sexuellen Handlungen teilnimmt, ihr Einverständnis erklärt, ihr keine Schuld zugewiesen werden kann, sie keinen Fehler gemacht hat.

Vertrauen

Wie ein Mädchen oder ein Teenager eine Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch, Inzest oder unangemessenen Geschlechtsverkehr erlebt und verarbeitet, hängt oft von der Beziehung mit dem Täter ab. Je mehr sie dieser Person vertraut, desto mehr wird sie ihr wahrscheinlich erlauben zu tun und desto offener steht sie wahrscheinlich dem, was ihr Körper hierbei empfindet, gegenüber, auch wenn sie weiß, dass, was geschieht, nicht richtig ist oder illegal ist. Das ist so, weil sie glauben will, dass die Person, die sie so gern hat, und von der auch sie gemocht oder geliebt werden will, sie nicht verletzen würde. Sie verhält sich nicht unangemessen, weil die Person, der sie vertraut, in ihrem besten Interesse handeln sollte, uneigennützig. Aus diesem Grunde haben wir eine Rechtsordnung, die solche Personen bestraft, die dieses Vertrauen missbrauchen.

Instinkt gegen Wissen

Der Grad ihrer Ausbildung und ihr Wissen kann einen Einfluss darauf haben, wie ein Mädchen auf sexuellen Missbrauch reagiert. Ein sehr junges Mädchen weiß vielleicht nicht, dass es falsch ist und es kann Jahre dauern, bis sie erfährt, dass es als falsch angesehen wird. Viele Mädchen nehmen an, dass alle ihre Freundinnen das gleiche tun. Die überraschende Entdeckung, dass das Geschehene nicht richtig ist, kann plötzlich gemacht werden oder über einen längeren Zeitraum. Das liegt daran, dass ein einzelnes Mädchen den Missbrauch aus einem anderen Blickwinkel sehen kann als die Gesellschaft, oder, dass sie sich nicht schuldig fühlen will. Sie will vielleicht nicht zugeben, dass der Mensch, den sie so sehr liebt, ihr so etwas antun konnte. Eine Frau sollte nicht das Gefühl haben, dass sie „instinktiv hätte wissen müssen“, dass es nicht richtig war und dass sie sich deshalb hätte wehren müssen oder das Geschehene hätte verhindern müssen. Da uns eingeredet wird, dass wir ungeschlechtlich geboren werden, nehmen einige Menschen an, dass wir instinktiv wissen sollten, dass Sex nicht richtig ist, andererseits sind wir uns angeblich nicht bewusst, was Sex ist; es besteht ein Widerspruch in dieser Argumentation.

Der Wunsch, es unseren Eltern und anderen Erziehungsberechtigten recht zu machen, ist überlebenswichtig. Ein Mädchen, dass Schmerz empfindet, während sie sexuell missbraucht wird, zerbricht sich oft den Kopf darüber, was sie falsch gemacht hat, warum sie bestraft wird, anstatt den Missbrauch als das zu erkennen, was er ist. Wenn sie ein liebes Mädchen wäre, würde man ihr nicht wehtun. Also versucht sie, ein lieberes Kind zu sein, vielleicht indem sie eine fügsamere sexuelle Partnerin ist. Diese häufig vorkommende Reaktion beruht wahrscheinlich auf dem blinden Vertrauen, das wir in die Menschen setzen, die uns betreuen, bis wir erwachsen sind. Wenn wir ihnen nicht blind folgen würden, wäre es überhaupt möglich, bis ins Erwachsenenalter zu überleben? Wenn wir ausschließlich das täten, was wir wollten, wie lange würden wir überleben? Wir interpretieren etwas Angenehmes instinktiv als Belohnung dafür, dass wir etwas richtig gemacht haben und Unangenehmes wird dahingehend interpretiert, dass wir etwas falsch gemacht haben. Das ist eine der grundlegenden, instinktiven Regeln, nach denen wir leben.

Die Verwirrung, die durch empfundene
Freude verursacht wird

Eine Frau oder ein Teenager, die während sie sexuell missbraucht wurde, sexuelle Erregung spürte, sollte und darf diese Empfindungen nicht verdrängen oder sich deshalb schuldig fühlen. Sie sollte auf keinen Fall ihrem Körper die Schuld zuweisen. Weder ihr Körper noch ihr Verstand hat sie im Stich gelassen. Sie muss die Schuld ganz eindeutig dem Menschen zuweisen, der diese Handlungen ausgeführt hat, nicht ihrem eigenen Verstand oder Körper. Dies trifft auch dann zu, wenn sie damals „ihr Einverständnis gegeben hat“ und sich auf diese Handlungen freute. Wenn du dein Einverständnis gegeben hast und es als angenehm empfunden hast, wurdest du höchstwahrscheinlich ausgenutzt, ausgebeutet, und deine sexuelle Entwicklung wurde unangemessen beschleunigt. Trotzdem bis du „unschuldig“. Dein Körper braucht nicht bestraft zu werden, ja, hat es nicht verdient, bestraft zu werden. Die Schuld sollte dort zugewiesen werden, wo sie angemessen ist.

Für eine Frau, die während sie sexuell missbraucht wird, sexuelle Erregung spürt, kann es bedeutend schwieriger sein, den späteren Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen zu genießen, als für eine Frau, die nur Schmerzen empfindet. Der Schmerz dient als Beweis dafür, dass das Geschehene schlecht und falsch war. Eine Frau weiß, dass der Geschlechtsverkehr zwischen Erwachsenen Spaß machen sollte und, was noch wichtiger ist, „sich anders anfühlen sollte“. Für eine Frau, die sich in dieser Lage befindet, bedeutet dies, sobald sie ihre Fähigkeit zurückgewinnt, jemandem zu vertrauen und mit ihm oder ihr intim zu werden, öffnet sie sexueller Freude lediglich die Tür, diese Tür führt allerdings oft auf einen langen, steilen, beschwerlichen Weg. Teenager und Frauen, die sich in dieser Lage befinden, müssen erst noch lernen, dass Sex Spaß macht und nicht schmerzhaft ist. Um eine konditionierte Reaktion auf sexuellen Kontakt zu überwinden, braucht es oft seine Zeit und viel Geduld.

Andererseits kann es sehr schwierig sein, den Geschlechtsverkehr unter Gleichaltrigen als Teenager oder Frau genießen zu lernen, wenn du von Kindesbeinen an glaubst, dass normale sexuelle Empfindungen und Gefühle schlecht und unangemessen sind. Weil das, was du während des freiwilligen Geschlechtsverkehrs unter Erwachsenen empfindest, dich möglicherweise an das in der Vergangenheit Geschehene erinnert, ist es nur natürlich, dass du das Bedürfnis spürst, diesen Erinnerungen und dem, was im Augenblick mit dir geschieht, entkommen zu wollen. Es ist möglich, dass sich der von beiden Partnern gewollte Geschlechtsverkehr unter Erwachsenen nicht „anders anfühlt“ als der erfahrene Missbrauch. Wenn du nicht akzeptierst, dass deine Empfindungen und deine Reaktionen in BEIDEN Situationen normal sind, wird es dir wahrscheinlich auch schwerer fallen, deine eigene Sexualität und deine sexuellen Reaktionen als etwas Positives zu betrachten. Eine Frau, die während einer Missbrauchshandlung einen Orgasmus hatte, muss sich „ehrlich“ eingestehen können, dass sie diesen Orgasmus genau so genoss, wie einen Orgasmus beim Sex mit einem Partner oder beim Masturbieren heute. Ein Orgasmus ist niemals falsch oder richtig, er ist einfach nur ein Orgasmus. Dasselbe gilt für sexuellen Genuss. Es kann schwierig für eine Frau sein, sexuellen Genuss und Orgasmus als normal und wünschenswert zu akzeptieren, wenn sie damit negative Erfahrungen verbindet.

Missbrauch ist kein Sex

Das einzig „sexuelle“ an vielen „sexuellen Missbrauchshandlungen“ ist oft, dass die Geschlechtsorgane einer Person in die Tat einbezogen wurden. Tatsächlich handelt es sich bei solchen Fällen um emotionale und/oder körperliche Misshandlung oder um Terror. Vergewaltigung wird heutzutage im Allgemeinen als eine Gewalttat definiert, nicht als eine sexuelle Handlung. Keine der beiden Parteien erfährt Lustgefühle, selbst wenn ein Orgasmus stattfindet. Der Täter ist ausschließlich daran interessiert, Kontrolle über die angegriffene Person auszuüben oder sie zu dominieren. Das Opfer wird als Objekt betrachtet, nicht als Person. Ein vorpubertäres oder pubertäres Mädchen, das mitten in der Nacht im dunklen Schlafzimmer dadurch aufwacht, dass jemand ihr einen Penis oder Finger in ihre nicht vorhandene Scheide stößt, erfährt dies nicht als sexuelles Erlebnis, sondern empfindet das wahrscheinlich als höchst schmerzhaft und als psychologischen Terror. Das gleiche gilt für anale oder orale Penetration in der gleichen Lage. Ein Mädchen, das schreckliche Angst vor ihrem Vater oder ihrem Vormund hat, hat wahrscheinlich schreckliche Angst vor jeglichem körperlichen Kontakt mit ihm. Frauen, die solche Situationen erlebt haben, finden es wahrscheinlich schwer zu verstehen, wie es möglich ist, dass Lustgefühle bei „sexuellem Missbrauch“ überhaupt eine Rolle spielen können, und es ist möglich, dass sie diese Möglichkeit scharf zurückweisen. Für manche Frauen fängt der Missbrauch wie oben beschrieben an, die Erfahrungen werden dann aber mit der Zeit als körperlich angenehm empfunden, da sich ihr Verstand und ihr Körper der Lage anpassen und versuchen zu überleben und dies schließlich auch schaffen. Körperliche und psychologische Misshandlung kann unzutreffenderweise als sexueller Missbrauch bezeichnet werden. Sexueller Missbrauch, definiert aus der sexuellen Perspektive, ist wahrscheinlich sehr selten. Man könnte argumentieren, dass eine Handlung nicht missbräuchlich sein kann, wenn sie im wirklichen Sinn sexuell ist.

Missbrauch analysieren

Da sexueller Missbrauch mehrdimensional sein kann und auch häufig ist, ist es möglich, dass ein Mensch, der missbraucht wurde, diese Erfahrung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten will, anstatt nur aus der sexuellen. Das kann ihm dabei helfen, sich mit dem Geschehenen abzufinden. „Sexueller Missbrauch“ besteht zumeist aus emotionalem und körperlichem Missbrauch und erst ganz zuletzt aus sexuellem Missbrauch. Es ist wichtig, festzustellen, ob tatsächlicher sexueller Missbrauch stattfand oder nur emotionaler und körperlicher Missbrauch. Um ihre Handlungen und Reaktionen zu verstehen, kann es einer Frau helfen, den Missbrauch in seine einzelnen Bestandteile zu zerlegen. Die Beziehung zum Täter, ob er geliebt oder gefürchtet wurde, kann beeinflussen, wie ein Mädchen auf den Missbrauch reagiert. Fühltest du dich unter den Umständen, unter denen der Missbrauch geschah, sicher oder verletzlich? Warst du dir zur Zeit der Übergriffe bewusst, dass das Geschehene als falsch und als Missbrauch angesehen wurde? Wurdest du geschlagen oder bestraft oder hattest du Angst, dass das geschehen könnte? War der „sexuelle“ Kontakt dem Grad deiner körperlichen und emotionalen Entwicklung angemessen? Beziehungen, in denen Missbrauch begangen wird, bieten nur selten ein einfaches schwarzweißes Bild; es gibt gewöhnlich viele Schatten und Grauzonen.

Wenn du Lustgefühle oder einen Orgasmus hattest, sollte diese Erfahrung getrennt von anderen Formen des Missbrauchs gesehen werden. Sie können parallel zueinander geschehen, ohne einander zu beeinflussen. Wenn es für dich ein Erlebnis war, das von Lustgefühlen begleitet war, denke daran, dass dein Körper so reagiert hat, wie es von der Natur vorgesehen war und dass der Täter dich wahrscheinlich auf angemessene Weise stimuliert hat, auch wenn sich das sehr widersprüchlich anhört. Das bedeutet nicht, dass er ein angemessenes Motiv hatte. Es ist möglich, dass er die Absicht hatte, deinen Körper gegen dich zu benutzen, dich psychologisch zu quälen und nicht beabsichtigte, dir eine einfache Freude zu bereiten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass sie dir Lustgefühle vermitteln wollten, ohne dir damit schaden zu wollen; nicht alle Täter sind gemein, hasserfüllt oder Monster. Wenn der Missbrauch dir Schmerzen bereitete, war die Handlung wahrscheinlich ein Fall von körperlichem oder psychologischem Missbrauch. Alles einfach mit dem Etikett „sexueller Missbrauch“ zu versehen, kann auf deine Sexualität später verheerende Auswirkungen haben. Wenn der Missbrauch nicht sexuell war, sollte man ihm nicht ungerechtfertigt dieses Etikett verpassen.

Sexuell aktive Kinder und Teenager

Es gibt einige wenige Frauen – es ist unmöglich, ihre genaue Anzahl zu bestimmen, da nur wenige bereit sind, dies, aus Angst gesellschaftlich geächtet zu werden, öffentlich zuzugeben – die als Mädchen und Teeanger aus freiem Willen zustimmten, an sexuellen Handlungen mit unangemessenen Partnern teilzunehmen. Sie wurden nicht mit Gewalt oder Einschüchterungstaktiken gezwungen. Diese Frauen betrachten sich nicht als Opfer und ärgern sich darüber, wenn andere unterstellen, dass sie das sind oder waren, oder dass sie unangemessen handelten. Ich habe einige wenige Frauen getroffen, die zugaben oder andeuteten, dass sie solche Beziehungen hatten. In manchen Fällen wussten sie, dass diese Handlungen nicht richtig waren, illegal und als unangemessen angesehen wurden, aber manchmal waren sie zur Zeit der Geschehnisse einfach zu jung, um das zu verstehen. Andere scheinen während ihrer Pubertät freiwillig dem Geschlechtsverkehr mit einer unangemessenen Person, einem nahen Verwandten, zugestimmt zu haben, wobei diese Beziehung manchmal bis ins Erwachsenenalter unterhalten wurde. Eine Frau fing als junger Teenager auf eigene Initiative Sexualverkehr mit Zweien ihrer Brüder an. Ein paar Frauen ließen durchblicken, dass sie eine sexuelle Beziehung mit ihrem Vater oder männlichen Vormund hatten. Während wir aus gesellschaftlicher und rechtlicher Sicht jegliche sexuellen Erfahrungen in der Kindheit als negativ ansehen, scheinen einige individuelle Erfahrungen anderes zu zeigen. Manchmal ist es die einzelne Frau, die entscheiden muss, was für sie angemessen ist, wobei sie ihre Meinung darüber ändern kann, wenn sich ihr Blickwinkel mit der Zeit und mit hinzugewonnenen Erfahrungen verändert.

Einige, wenn nicht sogar viele oder die meisten, Mädchen würden gern mehr über Sex erfahren und sind bereit, ihre eigenen sexuellen Empfindungen mit demjenigen zu erforschen, der es ihnen erlaubt. Wenn ich darnach gehe, was einige Frauen über ihre sexuellen Erforschungen in ihrer Kindheit berichteten, muss man sich fragen, ob sie nicht schon lange bevor sie nach außen hin sichtbar pubertär waren, unter dem Einfluss eines hormongesteuerten Sextriebs standen. Sie wussten, dass es nicht richtig war und dass ihre Eltern und andere Leute aufgebracht sein würden, sollten sie es herausfinden, aber trotzdem versuchten sie auch weiter ihre sexuelle Neugier mit jedem zu befriedigen, der es zuließ. Dabei handelte es sich nicht unbedingt immer um angenehme oder positive Erfahrungen, trotzdem suchten sie weiterhin nach sexuellen Erfahrungen. Viele von ihnen wollten wahrscheinlich einfach nur, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkte und fanden heraus, dass sie diese Aufmerksamkeit erhielten, wenn sie sich sexuell auffällig verhielten. Andere waren der Ansicht, dass sexuell auffälliges Verhalten ihnen Vorteile brachte. Ich weiß, dass die Gesellschaft anderer Meinung ist, aber auch diese Mädchen sind normal, nicht promiskuitiv, sexuell frühreif oder Lolitas. Ich will nicht behaupten, dass alle diese sexuellen Erfahrungen angemessen waren, nur das die Frauen sie als positiv in Erinnerung haben.

Sexuelle Interaktion zwischen Erwachsenen und Kindern

Sex sollte Freude bereiten und kann für Mädchen, Teenager und Erwachsene in gleichem Maße lustvoll sein. Menschen sind sehr soziale Wesen und Kinder sehnen sich nach körperlicher Zuwendung und manchmal sogar nach sexueller Freude. Außerdem sind unsere Kinder sehr neugierig und können Freude an sexuellen Handlungen mit Gleichaltrigen haben. Sie können sexuellen Kontakt mit Erwachsenen herbeiführen und tun es manchmal auch tatsächlich. Sie „wissen“ nicht unbedingt, was sie tun oder wie problematisch das sein kann. Eine Frau erzählte, dass ihr achtjähriger Sohn aufgrund einer Familienkrise ein Bett mit ihr teilte, und plötzlich anfing zu masturbieren, indem er seinen Penis gegen ihren Körper drückte; was er tat, machte ihr nichts aus, aber sie machte sich Sorgen, weil sie sich durch seine Handlung selbst sexuell erregt fühlte. Eine ehemalige Kollegin berichtete über einen ähnlichen Vorfall mit ihrer sechsjährigen Tochter. Kinder ahmen gerne nach, was sie Erwachsene in Wirklichkeit oder im Fernsehen haben tun sehen. Sie möchten alles über ihre Umgebung erfahren, hierzu gehören auch die Körper ihrer Eltern. Solche Handlungen sollten aber nicht dahingehend interpretiert werden, dass sich Kinder eine sexuelle Beziehung wünschen, einen Erwachsenen sexuell erregen wollen oder an „erwachsenen“ Formen von Sex teilhaben wollen. Kinder sind im allgemeinen sehr egoistisch und tun Dinge oft nur widerwillig, außer sie ziehen einen direkten Nutzen daraus. Kindliche Sexualität ist normal, sexueller Missbrauch ist es nicht.

Manchmal kann ein Erwachsener ein Kind unbeabsichtigt und unwissentlich sexuell stimulieren und sein Interesse an Sex wecken oder erhöhen. Viele Dinge, die Erwachsene tun, während sie ihr Kind versorgen, können im Kind sexuelle Empfindungen oder Lustgefühle wecken. Während eine Mutter ihr Kind stillt, fühlen sich in der Regel Mutter und Kind sexuell erregt, keiner von beiden kann diese Reaktion kontrollieren; und sollte dies auch nicht versuchen. – Schon mal darüber nachgedacht, wie oft wir die Vulva eines Mädchens waschen, untersuchen, und berühren, während sie Windeln trägt? Eltern machen oft Witze darüber, wie oft ihr kleiner Sohn eine Erektion bekommt, wenn sie ihm die Windel abnehmen; schon mal darüber nachgedacht, dass das bei unseren Töchtern genau so ist? Es ist wirklich genau so. Wie viele Eltern lassen ihre Kinder auf ihren Knien reiten? Schon mal einen Schritt zurückgetreten und genau hingesehen, wie Eltern ihre Kinder gegen ihren Körper gedrückt halten? Ich will nicht sagen, dass das, was Eltern machen, falsch oder unangemessen ist; wir wurden einfach von der Gesellschaft konditioniert, es nicht zu bemerken. Da Kinder angeblich Sex gegenüber immun sind, können wir angeblich alles mit ihnen anstellen, ohne ihre Sexualität zu wecken. Dies steht im Widerspruch zu einigen Aussagen, die weiter oben gemacht wurden, aber unsere Gesellschaft ist nun einmal voll von Widersprüchen. Die Gesellschaft schützt uns vor uns selbst, auf Kosten unserer Kinder. Die Gesellschaft mag es ableugnen oder ignorieren, aber unser aller Verhalten zu unseren eigenen und den Kindern anderer Leute hat eine sexuelle Komponente.

Wie Kinder zu Opfern gemacht werden

Wir machen unsere Kinder zu perfekten Opfern. Wir machen es unseren Kindern fast unmöglich, normale sexuelle Erfahrungen zu sammeln und eine normale sexuelle Entwicklung, durchzumachen und das Ergebnis dieser Handlungsweise ist, dass sie nicht wissen, wie sie sich gegen Missbrauch schützen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Kinder während ihrer Kindheit ein negatives sexuelles Erlebnis haben, ist bedeutend höher, als die, dass sie etwas erleben, das sexuell positiv ist. Manche Leute behaupten, dass das deshalb so ist, weil Sex an sich schlecht ist, anstatt zuzugeben, dass die Schuld hierfür bei unserer Gesellschaft liegt. Sex ist überall; es ist unmöglich, unsere Kinder davor zu verstecken. Um unsere Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen, müssen wir ihnen eine positive Sexualerziehung mit auf den Weg geben. Wer versucht, sie von Sex fernzuhalten, macht sie zu perfekten Opfern. Wenn Kinder Richtig von Falsch unterscheiden lernen sollen, müssen wir es ihnen beibringen. Wenn sie nicht durch Sex zu Schaden kommen sollen, dürfen wir sie nicht dazu zwingen, ihre Sexualität im dunklen Kämmerchen zu verstecken. Unwissenheit schützt nicht vor Missbrauch, sie fördert sie.

Wie ist sexueller Missbrauch zu definieren?

Was als sexueller Missbrauch interpretiert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: den einzelnen Betroffenen, ihrem Geschlecht, ihrer Familie, ihrem näheren sozialen Umfeld, der Gesellschaft, in der sie leben, ihrem religiösen, ethnischen und kulturellen Hintergrund und den unterschiedlichen Regierungsebenen. Die amerikanische Gesellschaft und die Regierung als Ganzes sagt im Wesentlichen, dass jegliche sexuelle Handlungen mit einem Kind in gewisser Weise als Missbrauch zu betrachten sind und daher illegal sind. Dies kann unter Umständen im Widerspruch zu den anderen Faktoren stehen, die im Leben der Betroffenen wichtig sind. Oft sind es die Umstände, unter denen etwas geschieht, und nicht die tatsächliche Handlung, wodurch die Tat zum Missbrauch wird. Wenn ein Kind daran gewöhnt ist, in Gegenwart seiner Eltern und anderer Menschen nackt zu sein, wird sich das Kind wahrscheinlich nicht missbraucht fühlen, wenn sie ins Badezimmer kommen, während es badet, aber es ist wahrscheinlich, dass das Kind es unangemessen finden wird, wenn sie seine Geschlechtsteile anstarren. Wenn es einem Kind nichts ausmacht, nackt zu sein, wird es ihm wahrscheinlich auch nichts ausmachen, wenn seine Eltern es fotografieren, während es draußen spielt und zufällig nichts anhat, aber das amerikanische Recht definiert das inzwischen als eine Missbrauchshandlung, was nicht unbedingt der allgemeinen Meinung entspricht. In Europa scheint es gesellschaftlich akzeptabel zu sein, dass Eltern und Kinder offen über Sex und ihre eigenen Sexualität sprechen, das ist etwas, das Amerikaner schockiert. Viele Religionen sehen Sex in jeglicher Form als unerwünscht an, nur die Notwendigkeit der Fortpflanzung wird akzeptiert und anerkannt. Angeblich ist es in vielen Kulturen akzeptabel, Babys und Kleinkindern die Geschlechtsteile zu streicheln, um ihnen beim Einschlafen zu helfen oder um sie zu trösten, aber darüber spricht man heutzutage nicht mehr. Andere Gesellschaften halten das Masturbieren in der Kindheit und das sexuelle Erforschen für normal und wünschenswert und machen sich Sorgen, wenn Kinder es nicht tun. Es scheint in Amerika Bevölkerungsgruppen zu geben, in denen Inzest akzeptiert wird, aber man spricht nicht offen darüber oder gibt es zu. Eine Frau erzählte mir, dass der Inzest zwischen Vater und Tochter in der amerikanischen Bev ölkerungsgruppe, in der sie lebte, häufig vorkam, sie selbst es aber nicht erlebt habe; ihrer Ansicht nach schienen meistens beide Parteien hierin eingewilligt zu haben, so erzählten ihr jedenfalls Leute, die an solchen Handlungen beteiligt waren. Manchmal handelt es sich in diesen Fällen um sozialisierten Missbrauch und nicht um eine positive sexuelle Entwicklung des Einzelnen. Obwohl wir es oft versuchen, ist es sehr schwer zu beurteilen, wie sexueller Missbrauch „in jedem Fall“ zu definieren ist. Der Einzelne kann sich daher im Kreuzfeuer wiederfinden.

Wie viele Frauen wurden sexuell missbraucht?

Wir weit verbreitet ist sexueller Missbrauch? Es gibt Schätzungen, nach denen bis zu sechzig Prozent aller Frauen irgendwann im Laufe ihres Lebens sexuell missbraucht wurden. Demnach hätte die Mehrzahl der Frauen, sechs von zehn, sexuellen Missbrauch auf die eine oder andere Weise erlebt. Sind es wirklich so viele? Ich würde wagen zu behaupten, dass diese Zahl zu hoch gegriffen ist. Ich bin der Ansicht, dass solche Menschen, die jede Art von sexueller Erfahrung in der Kindheit als anormal betrachten, diese Zahlen zu hoch ansetzen. Sie zählen normales Verhalten genauso wie das anormale. Sie benutzen außerdem mathematische Rechenmodelle, mit denen sie Zahlen extrapolieren, die ihre Behauptungen fälschlicherweise unterstützen. Da die tatsächlichen oder wirklichen Zahlen ihre Ansichten nicht unterstützen, zwingen sie sie dazu. Sie behaupten, dass Frauen sexuellen Missbrauch nicht zugeben können oder wollen, also sprechen sie in deren Namen. Dieser Ansatz ist meines Erachtens problematisch, da er es Frauen nicht erlaubt, für sich selbst zu denken und zu sprechen. Andere Menschen behaupten, dass Sexologen die Fälle sexuellen Missbrauchs absichtlich niedriger ansetzen, als der Wirklichkeit entspricht, aus dem einfachen Grund, dass wir alle Arten von sexuellen Handlungen, denen beide Parteien aus freiem Willen zugestimmt haben, als positiv und normal ansehen. Gegensätzliche Perspektiven führen zu großen Meinungsunterschieden. Und wieder finden sich die Frauen im Kreuzfeuer.

Nichtsdestoweniger besteht kein Zweifel, dass körperlicher, psychologischer und sexueller Missbrauch weit verbreitet sind, ja, sehr weit verbreitet sind. Ich glaube nicht, dass es genaue Zahlen gibt, die belegen können, wie viele Frauen wirklich betroffen sind. Das ist aus dem Grunde so, weil jede Zahl nur auf eine bestimmte kleine Gruppe von Menschen zutrifft, und dabei alle oben genannten Faktoren unberücksichtigt lässt, durch die definiert wird, was genau sexueller Missbrauch ist. In einigen Gesellschaftsgruppen gibt es mehr Vorfälle von sexuellem Missbrauch als in anderen, aus dem einfachen Grunde, dass die Menschen unterschiedliche Ansichten darüber haben, was angemessen und was unangemessen ist. Trotzdem versuchen wir oft, alles mit demselben Maßstab zu messen, wie es Gesetze zum Beispiel tun. Diese Tatsache allein erklärt wahrscheinlich, warum eine gewisse Prozentzahl an Kindesmissbrauchshandlungen nicht der Polizei gemeldet wird. Es kann auch dazu führen, dass normales sexuelles Verhalten als abnormal eingestuft wird. Wenn eine Frau ihre sexuellen Erfahrungen nicht als sexuellen Missbrauch betrachtet, wird sie auch nicht behaupten, dass sie missbraucht wurde, auch wenn andere glauben, dass dem so ist. Dass heißt nicht, dass sie im Unrecht ist oder sich der Realität verschließt. Wir müssen Acht geben, Menschen, die keine Opfer sein wollen, nicht zu Opfern zu machen oder Menschen, die tatsächlich Opfer sind, nicht zu ignorieren.

Inzest

Angeblich ist das Inzesttabu das einzige Tabu, dass von der Mehrheit aller Völker weltweit anerkannt ist. Es wird als das einzige „universell gültige Tabu“ angesehen. In Wirklichkeit geht es bei diesem Tabu gewöhnlich um inzestuöses Heiraten, den Aspekt der Fortpflanzung und nicht um sexuellen Kontakt. Der Grund für dieses Tabu ist die Tatsache, dass nach mehreren Generationen inzestuöser Fortpflanzung das Risiko vererbter Geburtsfehler steigt. Da es sich negativ auf die Gesellschaft auswirkt, wenn sie inzestuöse Fortpflanzung billigt oder toleriert, wird sie verboten. Trotz unserer Befürchtungen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ein Kind, das als Ergebnis einer Vater-Tochter- oder Bruder-Schwesterbeziehung gezeugt wird, ganz normal ist, solange Inzest nur sehr selten in der genetischen Geschichte der Familie vorkommt. Das einzige, was man universell über Inzest sagen kann, ist, dass es universell vorkommt. Da wir aber dahingehend konditioniert wurden, es nicht zu bemerken, fällt es uns nicht auf.

Bei der natürlichen Abneigung, die wir angeblich gegen Inzest empfinden, handelt es sich um das Ergebnis gesellschaftlichen Konditionierens und nicht um Instinkt. Dies wird durch die Anzahl der Geschwister bewiesen, die als Kinder und Teenager an sexuellen Handlungen miteinander teilnehmen. Ich kann mich daran erinnern, viele Geschwister dabei beobachtet zu haben, dass sie miteinander sexuelle Handlungen durchführten. Ich weiß schon: Der Penis ist nicht in die Vagina eingedrungen, also war es kein richtiger Sex. Falsch: Es war ganz bestimmt richtiger Sex. Wir haben einfach beschlossen, es nicht so zu sehen, also haben wir auch kein großes Tabu gebrochen, und brauchen uns nicht der Rache der Gesellschaft auszusetzen. Wir alle haben den Wunsch, normal zu erscheinen. Ich will dem Einzelnen keine Schuld zuweisen, aber die Realität zu verleugnen, ändert nichts an den Tatsachen.

Das gesellschaftliche Ideal besagt, dass ein Mann alle Frauen sexuell anziehend finden darf, außer seiner Mutter, seinen Schwestern und seinen Töchtern, und eine Frau darf alle Männer sexuell anziehend finden, außer ihrem Vater, ihren Brüdern und Söhnen. Ist das realistisch? Wenn jemand nicht weiß, dass eine Person ein Mitglied der nahen Verwandtschaft ist, findet er sie automatisch sexuell unattraktiv? Das ist meiner Ansicht nach nicht wahrscheinlich. Ich schätze, dass es im Verlauf der Geschichte oft vorgekommen ist, dass nahe Blutsverwandte eine sexuelle Beziehung hatten, ohne zu wissen, wer ihr Partner wirklich war. Die große Anzahl an Fällen von Inzest und sexuellem Missbrauch, die unser Rechtssystem zu bearbeiten hat, ist ebenfalls ein Zeichen dafür, dass Familienmitglieder sich durchaus sexuell anziehend finden. Noch eine Situation, in der die Realität nicht mit den Erwartungen der Gesellschaft übereinstimmt.

Die sexuelle Dynamik einer Familie

Wenn zwei Menschen miteinander umgehen, hat diese Beziehung eine sexuelle Dynamik, unabhängig von Geschlecht und Alter. Für kleine Kinder besteht die Dynamik darin, dass sie ihre gesamte Umwelt mit neugierigen Augen betrachten, einschließlich des sexuellen Aspekts. Wenn dann auch noch die Pubertät dazukommt, können auf beiden Seiten vorhandene Geschlechtstriebe dazu führen, dass die gesellschaftlichen Normen umgangen werden. Kann man wirklich erwarten, dass zwei Menschen mit starkem Geschlechtstrieb, die viel Zeit miteinander verbringen, nicht gelegentlich instinktiv anstatt rational handeln, und ihrem biologischen Bedürfnis nachgeben – ganz zu schweigen von der großen Neugierde? Aus diesem Grund ist Inzest zwischen Brüdern und Schwestern, unter Schwestern, und Vätern und Töchtern wahrscheinlich viel weiter verbreitet, als wir zugeben wollen. Die Anzahl von Frauen, die sexuellen Kontakt mit Mitgliedern der engsten Familie hatte, ist vermutlich höher, als die fünf Prozent laut offizieller Statistik (Brüder 4%, Schwestern 0,7% und Väter 0,5%), da wir, wenn wir als Erwachsene auf diese Zeit zurückblicken, unsere Handlungen oft nicht als sexuell interpretieren, da die Gesellschaft es uns so diktiert und es sich so wünscht.

Die sexuelle Dynamik innerhalb einer Familie wird gesellschaftlich nicht anerkannt und daher ignoriert. Die Gesellschaft sagt, dass Kinder asexuell sind, eine Mutter mütterlich ist und ein Vater zwar ein sexuelles Wesen ist, aber nicht im Kreise der Familie. Ein Vater hat keinen „Geschlechtsverkehr“ mit seiner Frau, der Mutter seiner Kinder, oder mit anderen Familienmitgliedern. Wir ignorieren die sexuelle Dynamik zwischen Töchtern und Vätern, Brüdern und Schwestern. Es besteht außerdem eine Dynamik zwischen einem Mädchen und den weiblichen Mitgliedern ihrer Familie. Diese Dynamik zu ignorieren, heißt nicht, dass sie von selbst verschwindet oder dass es sie nicht gibt, ganz im Gegenteil, es kann dazu führen, dass sie sich in unerwünschten Formen bemerkbar macht, zum Beispiel durch Missbrauch, der nicht unbedingt sexueller Missbrauch ist.

Väter und Töchter

Wenn ein Vater während der Kindheit eines Mädchens ein „perfekter Vater“ ist, wer ist dann wohl derjenige, zu dem sie sich höchstwahrscheinlich hingezogen fühlen wird, wenn sich im Laufe der Pubertät ihr Geschlechtstrieb entwickelt? Wer ist die wichtigste Person, die wahrscheinlich all ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse erfüllt? Ist es wahrscheinlich, dass es einen anderen Mann gibt, den sie besser kennt und dem sie mehr vertrauen kann? Wer wäre, von ihrem Blickwinkel aus gesehen der ideale Vater für ihre eigenen Kinder? Viele Menschen werden behaupten, dass diese Aussagen ziemlich unangemessen und falsch sind, aber warum heiraten dann so viele Frauen einen Mann, der ihrem Vater zum Verwechseln ähnlich sieht? Weil ihre Väter im Grunde alle ihre Bedürfnisse erfüllten, außer dem einen, dem sexuellen Bedürfnis. Aus diesem Grunde machen sie sich auf die Suche nach einem sexuellen Vater. Eine kontroverse Idee? Die „Vaterfigur“ ist nicht unbedingt der biologische Vater, es kann der Stiefvater sein, ein männlicher Vormund oder ein älterer Bruder.

Die meisten von uns kennen Familien, in denen Vater und Tochter eine sehr enge körperliche Beziehung haben. Verhaltensweisen, die wir bei kleinen Mädchen süß finden, sind verführerisch, wenn sie von einer erwachsenen Frau an den Tag gelegt werden. Ein junges Mädchen lernt oft, dass ihr Vater ihre Wünsche erfüllt, wenn sie „süß“ zu ihm ist. Daher sagen wir oft: „Sie wickelt ihren Vater um den kleinen Finger.“ Die sexuelle Dynamik in dieser Art Beziehung wird von uns nur gerade angedeutet. Wenn die Pubertät einsetzt und Brüste anfangen sich zu entwickeln und Gefühle einsetzen, die neu und unvertraut sind, kann es geschehen, dass ein Mädchen ihre neuen Gefühle und körperlichen Empfindungen an ihrem Vater oder der Vaterfigur erforscht, der/die bereit sein kann, sich hieran zu beteiligen, aber es nicht unbedingt ist, ja, der/die vielleicht noch nicht einmal weiß, dass er/sie auf diese Weise erforscht wird. Diese neuen Eigenschaften können auch dazu führen, dass Vater und Tochter sich voneinander entfernen, da sie diese Gefühle nicht anerkennen oder sie nicht ausleben können. Viele Väter können die Sexualität ihrer Töchter nicht länger ignorieren, wenn sich ihre Brüste entwickeln, denn das macht sie zur Frau, einem sexuellen Wesen, sie ist nicht länger ein Mädchen, ohne Sexualität – also distanziert er sich von ihr. Es ist verständlich, dass sich das Mädchen seinerseits angesichts dieser neuen Gefühle in dieser Hinsicht und auch mit dem veränderten Interesse des Vaters an ihr unwohl fühlen kann. Die sexuelle Spannung kann so groß werden, dass keiner von beiden es ertragen kann, den anderen um sich zu haben; manchmal kommen auch andere Emotionen an den Tag, wie Wut oder Eifersucht. Diese sexuelle Dynamik kann auch zwischen Schwestern und Brüdern vorkommen. Die sexuelle Dynamik innerhalb der Familie kann für eine Lesbe noch schwieriger zu verstehen und zu rationalisieren sein, da sie nicht in das männlich-weibliche Paradigma passt. Auch, wenn tatsächlich kein Geschlechtsverkehr stattfindet, kann es sich um eine inzestuö se Beziehung handeln.

Inzest, der zum Vorteil beider Parteien ist?

Es stellt sich die Frage, ob es Fälle gibt, in denen Inzest wirklich freiwillig und zu beider Beteiligten Vorteil stattfindet. Ich vermute, dass die Antwort auf die Frage „ja“ ist. Ich weiß nicht, wie häufig es geschieht, aber es geschieht. Vielleicht passiert es nur sehr selten. Ich nehme an, dass es wahrscheinlicher ist, das der Inzest zwischen Bruder und Schwester eher positiv sein kann, da die Geschwister sich altersmäßig meistens näher sind und sie zur selben gesellschaftlichen Gruppe gehören. Sie befinden sich oft im selben Stadium der sexuellen Entwicklung. Es ist möglich, dass beide weniger Kontrolle über ihre neu entwickelten Empfindungen und Impulse haben und impulsiv handeln. Es ist außerdem wahrscheinlicher, dass sie irgendwann ganz selbstverständlich sexuelle Beziehungen zu anderen anbahnen, was sowohl wünschenswert als auch gesund ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Inzest zwischen Vater und Tochter wirklich freiwillig stattfindet und für beide Parteien von Vorteil ist, ist aufgrund des Altersunterschieds, der Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Autoritätsstufen und Gesellschaftsgruppen geringer. Der Vater versucht oft, seine Tochter in diesen Situationen zu kontrollieren, da er sie ganz für sich allein haben will, wenn es eigentlich in ihrem eigenen besten Interesse ist, sich zur gegebenen Zeit andere sexuelle Partner zu suchen. Ein Mädchen kann unter Umständen in die Rolle ihrer Mutter schlüpfen und die Ehefrau des Vaters werden; diese Dynamik ist ungesund, da das Mädchen eine eigene Identität finden muss. Oft beginnt ein inzestuöses Verhältnis zwischen Vater und Tochter mit beiderseitiger Zustimmung, dies ändert sich jedoch häufig im Verlaufe der Beziehung. Es steht fest, dass Inzest auch zwischen Schwestern untereinander und Müttern und Töchtern stattfindet, aber, da es in diesen Fällen keine Penetration durch einen Penis gibt, werden diese Beziehungen oft nicht als Geschlechtsverkehr oder ihrem Wesen nach sexuell betrachtet. Inzest, der freiwillig stattfindet und in beiderseitigem Interesse i st, scheint etwas zu sein, das die Gesellschaft sich weigert anzuerkennen, daher „kann“ es das nicht geben, obwohl die Tatsachen dafür sprechen.

Inzest ist kein sexueller Missbrauch, obwohl er im Allgemeinen und rechtlich so definiert wird. Das heißt nicht, dass eine inzestuöse Beziehung nicht missbräuchlich sein kann. Die Definition von Inzest in meinem Webster’s NewWorld Dictionary lautet: „Geschlechtsverkehr zwischen Personen, die zu nah miteinander verwandt sind, als dass sie rechtmäßig heiraten können.“ Missbrauch wird nicht erwähnt, es wird auch nicht gesagt, dass es unrecht ist, obwohl wir dies annehmen können, da es illegal ist, dass sie heiraten. Diese Definition sagt aber auch, dass es sich nicht um Inzest handelt, wenn der Penis nicht in die Scheide eindringt. Diese Definition unterstellt beiderseitiges Einverständnis, deshalb handelt es sich nicht um sexuellen Missbrauch.

Werden missbrauchte Frauen von der Gesellschaft diskriminiert?

Die amerikanische Gesellschaft bringt Opfern sexuellen Missbrauchs oft „extrem negative Gefühle“ entgegen. Wenn jemand sexuellen Missbrauch erwähnt, stellen wir uns automatisch vor, was das ist und was das Opfer erlebt hat. Wir „wissen“, wie sie sich fühlen muss und welcher „Schaden“ ihr zugefügt wurde. Wir zwingen die Tatsachen in das Korsett unserer Vorstellungen und übersehen die Dynamik des Einzelfalls. Unsere Reaktionen auf sexuellen Missbrauch können sowohl den Täter als auch das Opfer bestrafen, da wir von beiden erwarten, dass sie ein bestimmtes Paradigma erfüllen. Wir bringen dem Thema so viel negative Energie entgegen, dass oft das Opfer – wenn es sich als solches definiert, und einige mögen dieses Etikett überhaupt nicht – zusätzlich zum Täter bestraft wird. Aus diesem Grunde zögert ein Mädchen oder eine Frau oft oder fürchtet sich sogar davor, sexuellen Missbrauch zuzugeben.

Es ist wahrscheinlich, dass ein Mädchen schon früh lernt, welche Folgen es mit sich bringt, sexuellen Missbrauch anzuzeigen und es mag sich, trotz unserer besten Absichten, dafür entscheiden, es nicht zu tun. Obwohl sie sich vermutlich wünscht, dass der Missbrauch aufhört, möchte sie ihr Leben nicht noch mehr in Aufruhr bringen oder im Lauf der Dinge die Beziehungen zum Täter abbrechen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie ihn wahrscheinlich gleichzeitig hasst und liebt. Ihre Erwartungen mögen denen der Gesellschaft nicht entsprechen. Die amerikanischen Medien und daher auch die amerikanische ffentlichkeit versuchen einen Täter umgehend zu verurteilen, ohne Rücksicht auf das Opfer. Wir behaupten, dass wir in ihrem besten Interesse handeln, und glauben dabei, dass sie nicht in der Lage ist, selbst zu wissen, was das beste für sie ist. Handeln wir in ihrem oder in unserem besten Interesse? Versuchen wir vielleicht, unsere eigenen wahren Gefühle zu leugnen? Warum sind wir so feindselig?

Wir müssen aufpassen, dass wir unsere eigenen Ansichten, was eine angemessene Vergeltung ist, nicht auf das Opfer projizieren. Als Gesellschaft haben wir früher sexuellen Missbrauch nicht erkannt und zugegeben, was dazu führte, dass unsere Kinder ungeschützt waren. Vielleicht reagieren wir heute oft überzogen oder auf unangebrachte Weise, weil wir uns schuldig fühlen. Unsere eigenen Gefühle sind uns wichtiger als die des Opfers. Deshalb gibt es viele Mädchen und erwachsene Frauen, die den Titel „Opfer“ oder selbst „Überlebende (Survivor)“ nicht tragen wollen, weil sie sich einfach nur wünschen „normal“ zu sein. Sie wollen nicht im Brennpunkt von so viel negativer Energie stehen. Sie wollen nicht, dass die Gesellschaft ihnen vorschreibt, wie sie handeln und fühlen sollen. Die Gesellschaft zwingt selbst solche Mädchen und Frauen, die sexuellen Handlungen freiwillig zustimmten, entweder mit einem unangemessenen Partner oder in manchen Fällen selbst mit einem angemessenen, Opfer zu sein. Wir behaupten, dass sie ein Opfer ist, also denkt sie, dass sie sich dementsprechend zu verhalten hat, um – in den Augen der Gesellschaft – normal zu sein. Die Gesellschaft als Ganzes kann Einzelne in viel größerem Maße diskriminieren als einzelne Menschen, weil, obwohl es normalerweise einfach ist, uns von einem einzelnen Menschen fernzuhalten, es unmöglich ist, der Gesellschaft zu entkommen.